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Hundeschule besucht. Übungen gelernt. Und im Alltag trotzdem ratlos?

Autorenbild: Die Menschen-Trainerin für Hunde
Die Menschen-Trainerin für Hunde
vor 4 Tagen
6 Min. Lesezeit

Warum eine Stunde Hundeschule noch lange keine alltagstaugliche Beziehung schafft.


Hundeschule


Samstagmorgen, neun Uhr. Hundeplatz.


Eine Gruppe Menschen mit ihren Hunden steht bereit.

Es wird geübt, gelobt, belohnt und korrigiert.

Sitz, Platz, Fuss, Rückruf.

Ein paar Leckerchen hier, eine Übung dort.

Die Stunde vergeht, alle gehen nach Hause.


Und am Montag?


Der Hund zieht an der Leine. Sie haben gesagt, ich soll stehenbleiben, wenn er das macht, aber es funktioniert einfach nicht.

Er rastet bei Hundebegegnungen aus.

Er hört nur, wenn er gerade Lust hat.

Er jagt, pöbelt, ist ständig aufgeregt oder kommt zu Hause einfach nicht zur Ruhe.


Aber immerhin: Auf dem Hundeplatz hat das «Sitz» wunderbar funktioniert.


Herzlichen Glückwunsch. Und jetzt?


Versteh mich nicht falsch: Eine Hundeschule kann durchaus sinnvoll sein. Beschäftigung, gemeinsame Aktivitäten und das Erlernen bestimmter Signale haben ihre Berechtigung.


Aber es wird problematisch, wenn Menschen glauben, sie würden dort automatisch lernen, ihren Hund im Alltag sicher und souverän zu führen.

Denn zwischen einer einstudierten Übung und einer tragfähigen Mensch-Hund-Beziehung liegen manchmal Welten.


Eine Stunde Hundeschule – und wie viel davon gehört eigentlich dir?


Stell dir vor, du stehst mit 20 anderen Mensch-Hund-Teams auf einem Hundeplatz.


Der Trainer erklärt eine Übung. Alle machen mit. Dann wird der nächste Teilnehmer angeschaut, etwas erklärt, eine weitere Übung demonstriert.


Und du?

Du wartest.


Vielleicht bekommst du während dieser Stunde fünf Minuten individuelle Aufmerksamkeit. Vielleicht zehn.


Für 15 oder 20 Franken mag das ein günstiger Samstagmorgen sein.


Aber günstig ist nicht automatisch wertvoll. Und beschäftigt ist nicht automatisch erzogen.


Die entscheidende Frage lautet doch: Was hast du in dieser Stunde tatsächlich über dich, deinen Hund und eure Beziehung gelernt?

Nicht darüber, wie du ein Leckerchen richtig vor seine Nase hältst.

sondern darüber, weshalb dein Hund in bestimmten Situationen so reagiert, wie er reagiert.


Weshalb er sich an dir orientiert. Oder eben nicht.

Weshalb er draussen kaum ansprechbar ist.

Weshalb er ständig Entscheidungen trifft, die eigentlich du treffen solltest.


Und weshalb manche Probleme trotz regelmässigem Training einfach nicht verschwinden.



Immer wieder kommen Menschen zu mir, die bereits mehrere Hundeschulen besucht haben.


Manche über Monate.

Andere über Jahre.


Sie haben Übungen gelernt, Trainingspläne erhalten und unzählige Leckerchen verteilt.


Und trotzdem stehen sie in Alltagssituationen völlig ratlos da.


Wenn ich ihnen dann erkläre, wie Hunde kommunizieren, wie sie sich innerhalb sozialer Strukturen orientieren, welche Bedeutung Körpersprache, Verlässlichkeit, Grenzen und Beziehung haben, höre ich erstaunlich häufig denselben Satz:


«Warum hat mir das noch nie jemand gesagt?

Ich war doch in der Hundeschule!»


Meine Antwort?

«Das weiss ich nicht. Aber ich erkläre es dir jetzt.»


Denn ich bin nicht dafür verantwortlich, was anderswo vermittelt wurde oder eben nicht.


Was mich allerdings nachdenklich macht, ist die Häufigkeit dieser Erfahrung.


Wie kann es sein, dass Menschen jahrelang mit ihren Hunden trainieren und trotzdem kaum verstehen, was zwischen ihnen und ihrem Hund eigentlich passiert?


Leckerchen können Verhalten belohnen. Aber sie ersetzen keine Beziehung.

Ein Hund kann lernen, sich auf ein Signal hinzusetzen.

Er kann lernen, neben seinem Menschen zu laufen.

Er kann lernen, für erwünschtes Verhalten eine Belohnung zu erwarten.

Das ist zunächst einmal Lernen.

Aber was passiert, wenn keine Belohnung in Aussicht steht?

Wenn ein anderer Hund auftaucht?

Wenn dein Hund Angst bekommt, sich aufregt oder einen Konflikt erlebt?


Wenn er zwischen seinen eigenen Impulsen und deiner Führung entscheiden muss? Dann zeigt sich, ob ihr lediglich bestimmte Abläufe trainiert habt – oder ob dein Hund auch ausserhalb dieser Übungen Orientierung bei dir findet.


Eine Beziehung entsteht nicht dadurch, dass du möglichst viele richtige Verhaltensweisen belohnst. Sie entsteht durch das, was du im täglichen Zusammenleben vermittelst. Durch deine Haltung.


Durch Klarheit und Verlässlichkeit.


Durch deine Fähigkeit, Situationen einzuschätzen, Entscheidungen zu treffen und deinem Hund Sicherheit zu geben.


Durch Grenzen, die nicht willkürlich sind, sondern Orientierung schaffen.


Und durch die Bereitschaft, deinen Hund als soziales Lebewesen zu verstehen – nicht als vierbeinigen Empfänger von Trainingssignalen.


Belohnungen können dabei durchaus ihren Platz haben.


Aber sie sind ein Werkzeug. Keine Beziehung.


Was Hunde untereinander verstehen – und Menschen oft nie erklärt bekommen


Hunde verständigen sich nicht über einstudierte Kommandos.


Sie kommunizieren über Körpersprache, Bewegungen, räumliche Distanz, Spannung, Annäherung, Rückzug und zahlreiche feine Signale.


Sie reagieren auf das Verhalten ihres Gegenübers.


Sie nehmen wahr, ob jemand klar, unsicher, aufdringlich, angespannt oder verlässlich handelt.


Und sie orientieren sich innerhalb sozialer Beziehungen.


Das bedeutet nicht, dass Menschen Hunde imitieren oder irgendwelche überholten Dominanzrituale aufführen sollten. Nein Du bist aber kein Hund, diesen Spruch höre ich auch wieder und erwidere, aber ich bemühe mich immer mehr wie einer zu kommunizieren, meinem Hund zu Liebe.


Ich kann mich auch nicht mit einem Spanier in Chinesisch unterhalten, sondern auf Spanisch, bin ich deshalb ein Spanier ?


Es bedeutet, dass wir verstehen müssen, wie Hunde ihre Umwelt wahrnehmen und welche Informationen unser eigenes Verhalten ihnen vermittelt.


Genau hier beginnt für mich die eigentliche Arbeit.

Was passiert zwischen dir und deinem Hund, bevor er an der Leine ausrastet?

Wie reagierst du, wenn er unsicher wird?

Welche Entscheidungen überlässt du ihm unbewusst?

Wo gibst du Orientierung – und wo lässt du ihn mit einer Situation allein?


Wie wirken deine Körpersprache, deine Erwartungen und deine innere Haltung auf ihn?


Das sind keine Fragen, die sich mit einer weiteren Runde «Sitz, Platz, Fuss» beantworten lassen.

Und schon gar nicht mit einem Trainingsprogramm, das für jedes Mensch-Hund-Team identisch abläuft.


Zwanzig Hunde. Zwanzig Menschen. Ein Trainingsprogramm.


Merkst du den Widerspruch?


Jeder Hund bringt seine eigene Geschichte mit.


Sein Temperament, seine Erfahrungen, seine Unsicherheiten und seine Bedürfnisse.

Und jeder Mensch ebenfalls.

Der eine ist unsicher und vermeidet Konflikte.

Die andere wird hektisch, sobald ihr Hund nicht gehorcht.

Ein dritter versucht, jede Schwierigkeit mit einem Leckerchen zu lösen.

Und wieder jemand ist überzeugt, dass sein Hund einfach stur sei.


Wie soll ein einziges standardisiertes Trainingsprogramm all diesen unterschiedlichen Mensch-Hund-Teams gerecht werden?


Natürlich kann Gruppenunterricht sinnvoll aufgebaut sein. Gute Trainer beobachten, erklären und berücksichtigen individuelle Unterschiede.


Aber je grösser die Gruppe und je starrer das Programm, desto weniger Raum bleibt für das einzelne Team. Und genau dieser Raum fehlt häufig dort, wo die eigentlichen Probleme entstehen.

Denn der Hund, der auf dem Trainingsplatz brav mitmacht, ist nicht zwingend derselbe Hund, den du im Alltag erlebst.


Nicht weil er dich absichtlich ärgern möchte.


Sondern weil Situationen, Erregung, Erwartungen und soziale Dynamiken sich verändern.


Alltagstauglichkeit lässt sich nicht allein auf einem Hundeplatz herstellen.

Sie muss dort wachsen, wo Mensch und Hund tatsächlich miteinander leben.


«Aber mein Hund kann doch alles!»


Diesen Satz höre ich immer wieder.

«Er kann Sitz, Platz, Bleib und Fuss. Auf dem Hundeplatz funktioniert alles.»


Und dann folgt meistens ein «Aber».

Aber draussen hört er nicht.

Aber bei Hundebegegnungen ist er nicht mehr ansprechbar.

Aber zu Hause kommt er nicht zur Ruhe.

Aber wenn Besuch kommt, dreht er völlig auf.

Aber wenn es wirklich darauf ankommt, kann ich mich nicht auf ihn verlassen.


Und genau dieses Aber interessiert mich.


Denn es zeigt, wo die gelernten Übungen aufhören und das tatsächliche Zusammenleben und soziale Beziehung beginnt.


Ein Hund muss nicht möglichst viele Kommandos beherrschen, um ein angenehmer und verlässlicher Begleiter zu sein. Viel wichtiger ist, ob Mensch und Hund gelernt haben, miteinander durch den Alltag zu gehen.


Auch dann, wenn es schwierig wird.


Ich trainiere nicht einfach deinen Hund. Ich arbeite mit dir.


Wenn Menschen zu mir kommen, beginnen wir nicht automatisch mit einer Übung.


Ich möchte zuerst verstehen.

Was passiert zwischen dir und deinem Hund?

Wie gestaltet ihr euren Alltag?

Wo entstehen Schwierigkeiten?

Welche Erwartungen hast du?

Was versteht dein Hund möglicherweise anders, als du es beabsichtigst?


Und vor allem: Was braucht es, damit du deinen Hund künftig selbst sicherer begleiten kannst?


Denn ich möchte nicht, dass du nach jeder neuen Schwierigkeit wieder jemanden brauchst, der dir die nächste Übung zeigt.


Ich möchte, dass du Zusammenhänge erkennst.


Dass du deinen Hund besser lesen kannst.


Dass du verstehst, weshalb du in einer Situation eingreifen solltest – und weshalb du in einer anderen besser Ruhe bewahrst.


Dass du lernst, Verantwortung für Führung und Orientierung zu übernehmen, ohne deinen Hund ständig kontrollieren zu müssen.


Und dass du erkennst, dass liebevolle Beziehung und klare Grenzen keine Gegensätze sind.


Das ist für mich nachhaltiges Coaching.

Nicht das Abarbeiten eines Trainingsplans.

Die entscheidende Frage ist nicht, was eine Hundestunde kostet

Du kannst jeden Samstag 15 oder 20 Franken bezahlen.

Du kannst jahrelang Übungen wiederholen.

Du kannst unzählige Trainingsmethoden ausprobieren.


Wenn du dabei aber nicht lernst, deinen Hund und eure Beziehung zu verstehen, bleibt möglicherweise genau das ungelöst, weshalb du ursprünglich eine Hundeschule besucht hast.


Eine individuelle Begleitung kostet mehr als eine günstige Gruppenstunde.


Dafür geht es nicht darum, möglichst viele Teilnehmer durch ein Programm zu führen.


Es geht um dich und deinen Hund.


Um eure Schwierigkeiten, eure Möglichkeiten und euren gemeinsamen Alltag.


Und manchmal verändert eine einzige Erkenntnis mehr als zwanzig wiederholte Übungen.


Mein Fazit: Beschäftigung ist nicht Erziehung.

Und Training ist nicht automatisch Beziehung.


Wer am Samstagmorgen eine schöne gemeinsame Aktivität mit seinem Hund sucht, darf daran selbstverständlich Freude haben.


Aber wer lernen möchte, seinen Hund auch in schwierigen Alltagssituationen sicher, verständlich und verlässlich zu begleiten, braucht häufig etwas anderes.


Mehr Verständnis.

Mehr individuelle Auseinandersetzung.

Mehr Wissen über die Kommunikation und das soziale Verhalten von Hunden.

Und manchmal auch den Mut, die eigene Haltung zu hinterfragen.


Denn dein Hund braucht nicht unbedingt noch eine Übung.


Vielleicht braucht er endlich einen Menschen, der versteht, was er ihm längst zu sagen versucht.



Die Menschen-Trainerin für Hunde

Das ETWAS ANDERE Coaching für Mensch und Hund


Wenn Beziehung wichtiger ist als Training




 
 
 

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