Fiddle About beim Hund
- Die Menschen-Trainerin für Hunde

- vor 7 Tagen
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Spiel oder Stress bei Hundebegegnungen?

Fiddle About beim Hund – wenn „Spielaufforderung“ gar kein Spiel ist
„Mein Hund geht vorne runter, streckt den Hintern hoch und fordert den anderen Hund zum Spielen auf.“
Klingt eindeutig.
Ist es aber nicht unbedingt.
Eine einzelne Körperhaltung erzählt noch keine ganze Geschichte. Und genau deshalb kann es problematisch werden, Hundeverhalten anhand eines einzelnen Signals zu beurteilen – erst recht aus der Ferne. Denn was auf den ersten Blick nach ausgelassener Spielfreude aussieht, kann in einem anderen Zusammenhang Ausdruck von Unsicherheit, innerem Konflikt oder Stress sein.
Genau das zeigte sich bei einer Hündin, die ich persönlich aus meiner Arbeit kenne.
„Sie will doch nur spielen“
Der Halter der Hündin berichtete mir immer wieder von ihren Begegnungen mit anderen Hunden. Sie ging mit dem Vorderkörper nach unten, der Hinterkörper blieb oben. Eine klassische Spielaufforderung, dachte er.
Gleichzeitig beschrieb er mir aber einen Hund, der bei Hundebegegnungen teilweise eher aufgeregt wirkte. Die Hündin rannte viel, geriet dabei zunehmend in Erregung und war nach manchen Situationen regelrecht gestresst.
Für mich passten diese Beobachtungen nicht ohne Weiteres zur einfachen Erklärung: „Sie möchte halt spielen.“
Ich sagte ihm deshalb auch ganz klar: Um eine einzelne Situation zuverlässig beurteilen zu können, müsste ich sie sehen.
Denn Körpersprache besteht nicht aus einzelnen Vokabeln mit einer festen Übersetzung.
Sie ist ein Gesamtbild.
Die gleiche Körperhaltung kann etwas völlig anderes bedeuten
Natürlich gibt es beim Hund eine sogenannte Spielverbeugung. Und natürlich kann ein Hund damit tatsächlich Spiel initiieren.
Aber eine ähnlich aussehende Bewegung kann – abhängig vom gesamten Kontext und von weiteren Signalen – auch in einer Konflikt- oder Stresssituation auftreten.
Deshalb reicht die Frage „Was bedeutet es, wenn mein Hund vorne runtergeht und hinten hochsteht?“ eigentlich gar nicht.
Die interessanteren Fragen wären:
Was geschah unmittelbar davor? Wie bewegt sich der Hund danach? Wie ist seine Körperspannung? Kann er sich aus der Situation lösen? Wie reagiert er auf das Gegenüber? Wird seine Erregung höher oder niedriger? Sucht er tatsächlich Kontakt – oder versucht er vielmehr, eine für ihn schwierige Situation irgendwie sozial zu bewältigen?
Und vor allem: Wie sieht dieser Hund insgesamt aus?
Ein Signal ohne Kontext ist eben nur ein Puzzleteil.
Fiddle About – wenn ein Hund versucht, mit einer schwierigen Situation umzugehen
Ich gab meinem Kunden deshalb irgendwann den Hinweis, sich einmal mit dem Begriff Fiddle About beim Hund auseinanderzusetzen und sich dazu auch Videomaterial anzusehen.
Fiddle About wird im Zusammenhang mit Stressreaktionen verwendet und beschreibt vereinfacht Verhaltensweisen, die oberflächlich fröhlich, albern oder spielerisch aussehen können, obwohl der Hund sich möglicherweise gerade in einem inneren Konflikt befindet.
Und dann kam der Aha-Moment.
Mein Kunde meldete sich wieder bei mir und sagte sinngemäss:
Du hast den Nagel auf den Kopf getroffen. Das ist tatsächlich keine Spielaufforderung.
Plötzlich bekam dasselbe Verhalten eine andere Bedeutung, weil nicht mehr nur auf die Bewegung geschaut wurde.
Sondern auf den Hund.
Nicht jede Freiheit hilft einem unsicheren Hund
Bis dahin durfte die Hündin Hundebegegnungen weitgehend selbst regeln.
Sie konnte entscheiden, hingehen, reagieren, herumrennen und versuchen, die Situation irgendwie selbst zu lösen.
Das klingt zunächst nach Freiheit.
Für einen Hund, der mit einer Situation überfordert ist, kann genau diese Freiheit aber zur Belastung werden.
Denn dann lautet die Botschaft des Menschen ungewollt:
Obwohl der Hund möglicherweise gerade genau damit Schwierigkeiten hat.
Meine Empfehlung war deshalb nicht, noch mehr Verhalten zu trainieren oder noch mehr Beschäftigung einzubauen.
Sondern zunächst: Führen. Begrenzen. Verantwortung übernehmen.
Nicht als Strafe. Sondern als Entlastung.
Der Hund muss nicht jede Begegnung selbst regeln.
Wenn aus „Auslastung“ immer mehr Erregung wird
Noch etwas fiel bei dieser Hündin auf.
Sie durfte viel rennen und geriet dabei teilweise in eine enorme körperliche und emotionale Erregung. Nach bestimmten Situationen war sie völlig überdreht und gestresst. Zeitweise traten sogar Episoden auf, bei denen sie zusammenbrach.
Diese wurden tiermedizinisch untersucht. Eine eindeutige körperliche Ursache konnte nach Angaben des Halters dabei nicht gefunden werden.
Und genau an diesem Punkt wird für mich ganzheitliches Hinschauen wichtig.
Nicht: „Der Hund fällt um – also wissen wir jetzt, was er hat.“
Sondern: Was passiert im gesamten System dieses Hundes?
Verhalten, Nervensystem und Ernährung gehören zum selben Tier
Wir haben deshalb nicht nur an einem Punkt gearbeitet.
Die starke Erregung und das unkontrollierte Herumrennen wurden begrenzt. Der Halter begann, Situationen früher zu erkennen und seinem Hund Entscheidungen abzunehmen, mit denen sie offensichtlich überfordert war.
Parallel wurde die Ernährung angepasst und die Regulation des Nervensystems mit natürlichen Präparaten unterstützt.
Seit diesen Veränderungen sind die beschriebenen Zusammenbrüche nach aktuellem Stand nicht mehr aufgetreten.
Das ist kein Beweis dafür, dass ein einzelner dieser Faktoren die Ursache gewesen ist.
Und genau diese Behauptung wäre unseriös.
Es ist aber eine wichtige Beobachtung:
Wenn sich mehrere Belastungsfaktoren verändern und sich gleichzeitig der Zustand eines Tieres verändert, lohnt es sich, die Zusammenhänge ernst zu nehmen.
Ganzheitliche Ursachenforschung beginnt mit Beobachten
Genau deshalb interessiert mich in meiner Arbeit selten nur das einzelne Symptom. Ein Hund besteht nicht aus einem Verdauungstrakt, einem Nervensystem und einem Verhaltensteil, die zufällig gemeinsam in demselben Fell stecken.
Sie beeinflussen sich gegenseitig.
Stress kann körperliche Prozesse beeinflussen. Körperliches Unwohlsein kann Verhalten verändern. Ernährung kann Einfluss auf Wohlbefinden und Regulation haben. Dauerhafte Übererregung wiederum kann ein ohnehin belastetes System zusätzlich fordern.
Deshalb lautet die entscheidende Frage häufig nicht:
„Was mache ich gegen dieses Symptom?“
Sondern:
„Warum zeigt dieses Tier dieses Symptom überhaupt?“
Und beim Verhalten gilt dasselbe.
Nicht:
„Welche Bedeutung hat diese Körperhaltung?“
Sondern:
„Was erzählt mir dieser Hund in dieser Situation als Ganzes?“
Und deshalb ist der 147-teilige Facebook-Fachkongress manchmal keine grosse Hilfe 😭
Wenn jemand schreibt:
„Mein Hund macht immer Vorderkörper runter und Hintern hoch. Was bedeutet das?“
dann dauert es erfahrungsgemäss ungefähr 14 Sekunden, bis die erste Ferndiagnose eintrifft.
„Der will spielen ❤️“
Danach folgen Bauchweh, Dominanz, Kastration, mehr Auslastung, weniger Auslastung, BARF und irgendwann die Schwägerin, die 1987 auch einmal einen Hund hatte.
Das Problem ist nicht, dass Menschen ihre Erfahrungen teilen.
Das Problem entsteht dort, wo eine Erfahrung zur allgemeingültigen Erklärung für einen Hund wird, den niemand gesehen hat.
Denn Lumpi ist nicht Hasi.
Und Hasi ist nicht die Hündin aus diesem Beispiel.
Hinschauen statt vorschnell erklären
Gute Begleitung beginnt deshalb für mich nicht mit einer fertigen Antwort.
Sie beginnt mit Fragen.
Mit Beobachten.
Mit Zusammenhängen.
Und manchmal auch mit dem Satz:
„Das müsste ich sehen, bevor ich Dir dazu eine verlässliche Einschätzung gebe.“
Das klingt vielleicht weniger spektakulär als eine Ferndiagnose nach drei Zeilen Facebook-Text. Ist aber möglicherweise genau das, was Fachlichkeit von Meinung unterscheidet.
Denn ob es um Verhalten, Ernährung, Darmgesundheit oder Regulation geht:
Das einzelne Tier steht im Mittelpunkt – nicht die schnellste Erklärung.
Du möchtest das Verhalten Deines Hundes nicht nur korrigieren, sondern verstehen?
In meiner Arbeit als Menschen-Trainerin für Hunde schaue ich auf das Zusammenspiel von Mensch, Hund, Beziehung, Führung und Regulation.
Wenn Beziehung wichtiger wird als Training.
Lies gerne hier auf meiner tiertherapeutischen Seite den ganzen PRAXISFALL




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